Literatur

Bis ins späte 19. Jahrhundert gab es auf den Färöern keine schriftlich niedergelegte färöisch-sprachige Literatur. Alle Veröffentlichungen erschienen auf Dänisch. Wohl aber existierte eine starke und lebendige Tradition der mündlichen Poesie mit einem reichen Korpus an Volksmärchen, Legenden, Reimen und mittelalterlichen Balladen. Erst durch die Veröffentlichung einer färöischen Grammatik im Jahr 1854 durch V. U. Hammershaimb konnte sich eine einheitliche Orthographie durchsetzen, und es erschienen Werke in färöischer Sprache, wie 1909 der Roman Bábelstornið (Der Turmbau zu Babel) von Regin í Líð oder 1924 der Gedichtband Yrkingar von J. H. O. Djurhuus. Die Entwicklung des färöischen Romans kann generell in zwei Hauptperioden unterteilt werden.

Die erste Phase bis etwa 1970 gilt als die realistisch-naturalistische; die Autoren beschrieben vor allem soziale Bewegungen und Veränderungen der färöischen Gesellschaft. Bedeutende und immer noch viel gelesene Schriftsteller aus dieser Zeit sind Heðin Brú und Martin Joensen. Einige Schriftsteller wie der 1965 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnete William Heinesen oder Jørgen-Frantz Jacobsen, dessen Roman Barbara (1939) in Skandinavien und Deutschland ein Bestseller wurde, schrieben jedoch weiterhin auf Dänisch.

In der zweiten Phase wandelte sich der Schreibstil der färöischen Romane und wurde moderner, introvertierter und experimenteller. Wichtige Repräsentanten sind Jens Pauli Heinesen, Oddvør Johansen, Gunnar Hoydal, Jóanes Nielsen und Carl Jóhan Jensen. Auch in der Lyrik wurde mit Christian Matras, Regin Dahl und Karsten Hoydal der Schritt von der Romantik in die Moderne vollzogen, die mit ihren Gedichten ein stärkeres Interesse an der Literatursprache und der komplexen Beziehung zwischen Sprache und Welt dokumentierten. Zu den herausragenden Autoren gehören ab Ende des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart Guðrið Helmsdal, Steinbjørn B. Jacobsen, Alexandur Kristiansen, Heðin Klein, Toroddur Poulsen und Rói Patursson, der 1986 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet wurde.

In den 1990-er Jahren entwickelte sich die moderne färöische Kriminalliteratur, die vor allem durch das Werk des Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Jógvan Isaksen repräsentiert wird. Im Großen und Ganzen ähneln die Entwicklungen in der färöischen Literatur im 20. Jahrhundert und in jüngerer Zeit den Entwicklungen in der europäischen Literatur, obwohl die färöische Literatur ihrem eigenen Tempo folgt und ihre eigenen Besonderheiten aufweist. Besonders in der Poesie schafft der deutliche Einfluss mündlicher Überlieferungen einen einzigartigen färöischen Ausdruck.

Einen ausführlichen Überblick über die färöische Literatur finden Sie hier:

literatur_ueberblick.pdf

Hier finden Sie eine Liste der deutschsprachigen Literatur, die zurzeit im Buchhandel erhältlich ist:

literaturliste_buchhandel.pdf