Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.
Färöische Nachrichten

Port Salut 49

Svendborg, 8. Januar 1930

ka - Zwölf Mann an Deck bei was wir heute einen gefährlichen Stapellauf nenen würden. Es geht um ein tiefes, scharfes Schiff mit einem selten schönen Achterschiff.

Die Polarfarið mit der Kennung KG 397 beim Stapellauf in Svendborg (Bild: Spiegel der Zeilvaart 9/2017, S. 16/17)Die Polarfarið mit der Kennung KG 397 beim Stapellauf in Svendborg (Bild: Spiegel der Zeilvaart 9/2017, S. 16/17)

Es ist August 1979, als ich das elegante Achterschiff zum ersten Mal sehe. Ein imposanter Rumpf liegt vor altem Abfall in Frederikshavn in Nordjütland. Es ist ein breites Schiff. Fast sieben Meter vierzig auf fast dreißig Meter Länge. Der mächtige Bug trägt die Fischereikennung FD 120. FD steht für Fleetwood, aber da kommt, anno 1979, so ein eindeutig skandinavisches Schiff nicht her. Aber, Fischer aus Fuglafjørður auf den Färöern, haben auch eine FD-Kennung. Das sind Anküpfungspunkte.

Pelzjacke und Hut


Jahrzehnte später taucht dieses Foto auf. Der imposante Rumpf besteht bereits nicht mehr. Der ist in den Achtziger Jahren nach verunglückten Umbauversuchen in Sæby, südlich von Frederikshavn, verschrottet worden. Der Ort, wo dieses Foto aufgenommen wurde, ist mehr als deutlich zu erkennen: die bekannte Ring Andersen Werft in Svendborg. Es ist der Tag des Stapellaufs. Es ist kalt und die Zeremonie scheint sehr einfach zu sein. Nur drei der vielen Männer auf diesem Foto sind in Jacke und Hut gekleidet. Sie sehen links vor der Schmiede. Ihre Damen in Pelzjacken und Hüten unter dem Dach rechts, neben der großen Bandsäge. Über ihnen ein großer Schornstein, der zum Kesselhaus der Werft gehört. Dieses liefert nicht nur Energie, sondern auch Dampf zum Biegen der Planken. Man sieht diese aus der Dampfkammer kommen, rechts des kleineren Neubaus: eine sogenannte kvase, ein Fischtransportschiff, welches später in dem Jahr als Baunummer 147 ausgeliefert wurde.

Parachute and Cable


Aber hier geht es um die Baunummer 148, der Dreimastschoner KG 397 Polarfarið, der erste einer Serie von vier Fischerbooten, die in den Jahren 1930 – 1936 in Svendborg auf färöische Rechnung gebaut wurden. Es sind äußerst seetaugliche Schiffe mit einem schönen gebogenen Rumpf, das Markenzeichen von Johannes Ring Andersen. Sie haben einen schlanken, leicht gebogenen Galjäß und eine vollständige Schonertakelage. Die Polarfarið hat einen 25 PS starken Tuxham Hauptmotor; zusammen mit den Segeln genug für die Langleinen- und Wadenfischerei.

Doch dem Auftraggeber J. E. Jacobsen aus Klaksvík geht es nicht gut in den schwierigen dreißiger Jahren, bereits 1938 wird sein Schiff versteigert und durch die lokale Fischereibank weiterverkauft. Drei Jahre später, am 9. Juli 1941, sorgt die Polarfarið für Furore, indem sie mit ihrem PaCraket (Parachute and Cable) ein Seil in einen Propeller einer angreifenden Messerschmitt schoss und so ihren sicheren Untergang entkam. Das Flugzeug, aus dem mit Maschinengewähren auf die Polarfarið geschossen wurde, verschwand nach dem Angriff in Richtung Süden. Die Färöer waren inzwischen von Großbritannien besetzt und Fischerboote in diesem Gebiet waren täglich Ziel von deutschen Jagdfliegern, die von Norwegen aus in diesem Gebiet operierten.

Die Überlebenden verdienten viel Geld und so war es kein Zufall, dass die Polarfarið kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges zu einem Motortrawler umgebaut wurde mit einem 470 PS starken Hauptmotor sowie einem modernen Bug und Achterschiff. In diesem Zustand blieb die Polarfarið bis 1978 in der Fischerei aktiv und wurde dann nach Thurø verkauft.

Jubiläum


Ring Andersen hat damals viele gute Ideen gehabt für das seinerzeit 48 Jahre alte Schiff. Das Familienunternehmen hat sich damals bereits einen internationalen Ruf als Restaurationswerft für Holzschiffe aufgebaut. Einem ehemaligen Segelschiff nach dem anderen wurde wieder zu altem Ruhm verholfen. Gegründet 1867 durch Jørgen Ring Andersen und mit der jetzt fünften Generation in Ausbildung, feierte die Werft dieses Jahr ihr 150-jähriges bestehen.



17.12.2018



Spiegel der Zeilvaart 9/2017, S. 16/17, Frits Loomeijer

Dieser Bericht wurde aus dem Niederländischen übersetzt von Klaus Averberg, verschiedene Ergänzungen zur Vervollständigung der Informationen wurden vom Übersetzer vorgenommen.

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