Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.
Färöische Nachrichten

Hat China die Färöer-Inseln erpresst?

Botschafter soll Handelsabkommen an 5G-Auftrag für Huawei geknüpft haben

Es ist ein dubioser Vorgang: Bei einem geheimen Treffen soll Chinas Botschafter in Dänemark gegenüber dem färöischen Politiker Bárður Nielsen eine folgenreiche Drohung ausgesprochen haben.

Pekings Top-Diplomat Feng Tie verlangte offenbar die Unterzeichnung eines 5G-Vertrags zwischen den Faröer-Inseln und dem chinesischen Handy-Riesen Huawei – anderenfalls würde durch die chinesische Regierung ein wichtiges Handelsabkommen gekippt. Das berichtet die dänische Zeitung „Berlingske“. Das Blatt beruft sich dabei auf als geheim deklarierte Gesprächsaufzeichnungen von der Zusammenkunft.

Demnach soll Feng Tie bei dem Treffen mit Nielsen und weiteren Spitzenbeamten der Färöer-Inseln am 11. November deutlich gemacht haben, dass der färöische Telekommunikationsbetreiber Føroya Tele dem Bau eines 5G-Netzes durch Huawei zustimmen solle. Für diesen Fall stellte der Botschafter ein Freihandelsabkommen zwischen China und dem dänischen Archipel in Aussicht. Dabei geht es offenbar vor allem um wachsende Lachsexporte der Färöer nach China.

Die Enthüllung um den vermeintlichen Erpressungsversuch ist auch insofern brisant, als dass Huawei bisher immer betont hatte, unabhängig vom chinesischen Staat zu operieren. Die Mitschnitte nähren nun aber den Verdacht, die chinesische Regierung könnte den Zugang zu seinen Märkten mit der Vergabe von Aufträgen für 5GNetze in Europa durch Huawei verknüpfen. Die chinesische Botschaft wollte sich bisher nicht dazu äußern. Und bei Huawei teilte man mit, man habe keine Kenntnis von dem Treffen.

Insulaner bleiben hart

Die Färöer wollen sich offenbar nicht einschüchtern lassen. Aus den Aufzeichnungen soll hervorgehen, dass Nielsen den chinesischen Botschafter wissen ließ, dass weder er noch die Inselregierung in das Auswahlverfahren für den 5G-Netzvertrag eingreifen würden. Die Färinger bilden wie die Grönländer eine „gleichberechtigte Nation“innerhalb des Königreichs Dänemark. Sie haben ein eigenes Parlament und sind weitgehend autonom.

Die dänische Regierung will sich nicht in den Konflikt einmischen: Nach Meinung von Premierministerin Mette Frederiksen sollen die Färöer selbst darüber bestimmen, ob Huawei mit dem Bau des 5GMobilnetzes beauftragt wird. Allerdings soll das Verteidigungsministerium davon abgeraten haben, Huawei auszuwählen. Auch die USA sind gegenüber dem Telekomriesen äußerst skeptisch eingestellt. Die US-Regierung unterstellte bereits Spionage und drängt ihre Verbündeten, beim Ausbau ihrer Netze auf den superschnellen 5G-Standard auf Ausrüstung aus China zu verzichten.


Rheiderland Zeitung, 13.12.2019, S. 12

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