Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.

Oddvør Johansen

Prosaschriftstellerin

Die 1941 geborene Prosaschriftstellerin Oddvør Johansen verfasste bisher fünf Romane und eine Reihe von Erzählungen, Kinderbüchern und Prosaskizzen. Im Zentrum ihres Debütromans Lívsins summar (Sommer des Lebens, 1982) steht die anfangs zehnjährige Nora und deren Aufwachsen im Tórshavn der frühen 1950er Jahre.

Oddvør JohansenOddvør Johansen

Johansen setzt sich in ihrem Erstling mit konfliktträchtigen und gern totgeschwiegenen Themen wie der weiblichen Sexualität und Selbstbestimmung auseinander und führte damit eine neue, weibliche Perspektive in die färöische Literatur ein. Der Literaturkritiker Jógvan Isaksen bezeichnete diesen Roman als den ersten eigentlichen Frauenroman der färöischen Literatur.
In ihrem zweiten Roman, Ein mamma er ein mamma (Eine Mutter ist eine Mutter, 1993), schildert Johansen die miteinander verwobenen Schicksale der färöischen Frauen Anna und Sólva. Gegenstand des dritten, im Tórshavn des frühen 20. Jhdts. spielenden Romans Í morgun er aftur ein dagur (Morgen ist noch ein Tag, 1998) ist das Schicksal einer färöischen Familie vor dem Hintergrund der färöischen Geschichte und Gesellschaft von ca. 1900-1940.
Der 2001 erschienene Roman Tá ið havi málað summarhúsið (Als ich das Sommerhaus strich) spielt im Tórshavn der 1990er Jahre. Sein Protagonist, der wegen Drogenmissbrauchs einsitzende Pedda, schaut im Gefängnis auf sein Leben zurück und beginnt, ein Tagebuch zu schreiben, in dem er seine Erlebnisse, Erfahrungen und Reflexionen niederlegt. Es entsteht ein atmosphärisch dichtes Portrait des Tórshavns der 1990er Jahre, das von Wirtschaftskrise, Arbeits- und Perspektivlosigkeit geprägt ist. Der Roman endet verhalten optimistisch: Pedda, der seine persönliche Krise in den Griff bekommen hat, wird aus dem Gefängnis entlassen, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind besser geworden, er hat wieder eine Perspektive und als erste Handlung in der wiedergewonnenen Freiheit streicht er das Sommerhaus seines Vaters.
Sebastians hús (Sebastians Haus, 2004), der vorerst letzte Roman Johansens, spielt erneut in Tórshavn und begleitet die Hauptperson, die Färingerin Diddan, durch die erste Hälfte des 20. Jhdts. Auch die Erzählungen der Verfasserin, die in zwei Bänden veröffentlicht wurden, Bella Katrina (1989) und Á kata horninum (An der lustigen Ecke, 1995), stellen Frauenschicksale in der färöischen Gesellschaft in den Mittelpunkt.
Für ihr literarisches Schaffen wurde Johansen mehrfach ausgezeichnet. 1989 erhielt sie den Kinderbuchpreis des färöischen Stadtrates für ihr Buch Skip í eygsjón (Schiff in Sicht), 2002 den Mads-Andrias-Jacobsen-Literaturpreis für den Roman Tá ið havi málið summarhúsið.

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