Wirtschaftliche Bedingungen

Wirtschaftliche Bedingungen

Aufgrund der zentralen Lage im Nordatlantik liegt es auf der Hand, dass die Färinger ihre wirtschaftliche Prosperität im Meer suchen und mit der Fischgewinnung und -verarbeitung gefunden haben. Man war sich aber lange nicht darüber bewusst - oder wollte es vielleicht auch gar nicht wahr haben - dass eine sich nur auf einen einzigen Zweig gründende Wirtschaft erhebliche Risiken in sich birgt.

Und so kam es zu Beginn der 90er Jahre auch zu einer das kleine Land erschütternde Wirtschaftskrise: Motiviert durch die großzügige Kreditvergabe dänischer und ausländischer Banken und durch den garantierten Wechselkurs der färöischen Krone zur dänischen Krone vom 1:1 abgesichert, waren die politischen Ziele auf den Färöern hochgesteckt. So machte man sich daran, die rückständige Infrastruktur mit aller Macht auszubauen. Selbst Orte, die nur noch eine Handvoll Menschen zählte, bekamen einen Straßenanschluss, oft auch mit aufwendig gebohrten Tunneln. In fast jeder kleinen Siedlung wurde mit staatlicher Unterstützung eine Fischfabrik gebaut. Das Programm hatte Erfolg, die Färinger blieben in den abgelegenen Orten, die Abwanderung in die großen Orte ging zurück. Die Staatsausgaben der Färöer stiegen ebenso wie die Zuschüsse aus Dänemark und die Kredite. Vor allem die dänische Finanzwelt unterstützte die Färöer gern, denn die Zinsgewinne waren hier steuerfrei. Doch es kam, wie es kommen musste: Die Fischbestände gingen durch die Überfischung zurück und die Fischfabriken hatten nicht mehr genug zu tun. Die wirtschaftliche Krise begann. Mehrere der Fischfabriken meldeten Konkurs an und nahmen die staatlichen Bürgschaften als Entschädigung in Anspruch. Sie wurden anschließend als Aktiengesellschaft wieder gegründet und kauften die Gerätschaften vom Staat günstig zurück. Immer mehr Fischereibetriebe hingen von den staatlichen Subventionen ab. Dank des festen Wechselkurses der färöischen zur dänischen Krone merkte man der Währung die sich anbahnende Wirtschaftskrise nicht an.

Anfang der 90er Jahre wurde die Vergabe weiterer Kredite durch die Auslandsbanken verweigert. Die weltweite Rezession erreichte somit auch die Färöer. Der färöische Staatshaushalt konnte die Subventionen nicht mehr zahlen, weitere Konkurse waren die Folge, noch mehr Bürgschaften wurden fällig und die Kassen des färöischen Staates waren leer. Der Paukenschlag folgte am 6. Oktober 1992: Die dänische Bankenaufsicht wollte die mit etwa 1 Milliarde Kronen verschuldete Sjóvinnubankin für bankrott erklären. Färöische Politiker wurden über Nacht nach Kopenhagen bestellt und mussten die einem Finanzierungsfond zustimmen, für die Gewähr der dänischen Staatsdarlehen, der in den folgenden Jahren auf die Verwendung und Rückzahlung der Gelder Einfluss nahm. Kurz darauf zeigten sich auch die ersten Anzeichen von Kapitalschwäche der zweiten färöischen Bank, der Føroyar Banki. Bisher wurde diese jedoch vom dänischen Mutterhaus, Den Danske Bank, von der färöischen Öffentlichkeit unbemerkt ausgeglichen. Nach konkreten Hinweisen seitens der dänischen Nationalbank schlug die dänische Regierung der färöischen Regierung einen Aktientausch der beiden Banken auf den Färöern vor. Die beabsichtigte Folge war, dass die Färöer nun selber für die Liquidität beider Bankhäuser zuständig waren. Den Danske Bank, Minderheitsaktionär, wurde mit einem neuen Staatskredit ausbezahlt und kam so ohne größeren Schaden aus der Affäre heraus. Der neue Staatskredit erhöhte den Schuldenberg des färöischen Staates noch einmal. Hinzu kam jetzt auch noch die stark ansteigende Zahl von Konkursen bei den Privatfirmen. Das Bruttosozialprodukt ging in den Jahren 1993 bis 1995 um ein Drittel zurück, 80% der Fischfabriken gingen Pleite, technisch hochwertige und moderne Fangschiffe wurden als Konkursmasse ins Ausland verkauft. Die Arbeitslosigkeit stieg innerhalb von kurzer Zeit auf 25% und viele Färinger konnten nun ihren Darlehensverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Folge: Ungefähr 4.500 Färinger, jeder zehnte, verließ die Inseln und suchte in Dänemark nach arbeit.

Auf dem Tiefpunkt der Krise, 1995, wurden Fragen laut, warum die Sjóvinnubankin und die im dänischen Besitz befindliche Føroyar Banki, obwohl sie 1992 gleichermaßen verschuldet war, nicht mit gleichen Maßnahmen bedacht wurde, warum die Finanzschwäche der Føroyar Banki vor den Färingern verheimlicht wurde und warum wollte die dänische Regierung die dänischen Aktionäre der Føroyar Banki mit allen Mitteln aus der Verantwortung ziehen? Das Løgting beschloss einstimmig eine juristische Klärung des Falles von Dänemark, diese wurde jedoch abgelehnt.

Das Verhältnis der beiden Reichsteile war gespannt wie nie zuvor, die Medien waren voller gegenseitiger Vorwürfe, die öffentliche Meinung befürwortete eindeutig die Auflösung der Reichsgemeinschaft. Erst als Dänemark einer Untersuchungskommission zustimmte, schien sich ein Kompromiss abzuzeichnen. Auch wenn die färöische Seite dieser sehr skeptisch gegenüberstand, kam sie 1998 zu dem Ergebnis, dass der Aktientausch von 1992 unter unrichtigen Vorraussetzungen geschah. Die Färöer sollten hierfür entschädigt werden. Von den mittlerweile im Finanzierungsfond angelaufenen 5,3 Milliarden Kronen wurden 900 Millionen erlassen, die sich die dänische Regierung anschließend von Den Danske Bank wiederholen wollte. Der Restbetrag bleibt zur Verzinsung stehen, sodass das dänische Bankenkapital auch den färöischen Staat als Kunden behält. Ein kleinerer Teil von 500 Millionen Kronen blieb zinslos stehen und wird nach 20 Jahren ersatzlos abgeschrieben. Im Falle von Ölfunden auf dem Gebiet der Färöer soll dieses Geld zurückgezahlt werden. So hält Dänemark sich eine Tür zu einem möglichen Ölgeschäft offen. Diese Tür dürfte sich das größte Bankunternehmen Dänemarks (Den Danske Bank) wohl selber zugeschlagen haben.

Nachdem die wirtschaftliche Krise überwunden war, ging es mit der Wirtschaft auf den Schafsinseln wieder bergauf. Heute liegt die Arbeitslosenquote auf den Färöern wieder bei 3%. Die meisten der damals ausgewanderten Färinger sind wieder zurückgekehrt und sogar der Bevölkerungsrekord von 1989 (48.089 Einwohner) ist eingestellt worden. Im Juli 2003 erreichte die Einwohnerzahl 48.183 Menschen. Nachdem die Bevölkerungszahl mit der schwersten Wirtschaftskrise von 1990 bis 1995 um ungefähr 4.500 Personen auf einen Tiefststand Ende 1995 von 43.393 Einwohnern zurückgegangen ist, wächst sie seit 1996 wieder mit zum Teil kräftigen Zuwachsraten, was vor allem an den färöischen Rückkehrern aus Dänemark liegt. Heute guckt man mit Optimismus in die Zukunft. Der Gedanke der totalen Unabhängigkeit von Dänemark ist vor allem seit der Wirtschaftskrise wieder sehr stark ausgeprägt und wird auch weiterhin die Politik bestimmen. Immerhin sind die Färöer, im Gegensatz zu Dänemark, nicht Mitglied der EU und des EWR. Und das soll auch so bleiben.

Die neue Norröna ist der beste Beweis, dass es der Wirtschaft hier oben gut geht: Es ist der größte Einzelauftrag in der färöischen Geschichte. Am 24. August 2002 lief die neue Norröna auf der Flender-Werft in Lübeck vom Stapel. Am 7. April startete die Jungfernfahrt von Lübeck aus in Richtung Färöer. Am 10. April 2003 lief der neue Nationalstolz der Färinger im Tórshavnar Hafen ein. Das Hafengelände um den Eystaravág war voll mit Menschen, wie an Ólavsøka. Das neue Fährschiff kostete 700 Millionen Kronen, also rund 94 Millionen Euro. Das Schiff ist 164,5 m lang, 30,0 m breit und kann 1.482 Passagiere und 800 Autos transportieren. Die alte Fähre fasste 1.050 Passagiere und 300 Autos und war 129 m lang und 21 m breit. Die Motorleistung der alten Fähre lag bei 16.000 PS, die der neuen liegt bei 30.000 PS. Die Fahrzeit verkürzt sich von Hastholm nach Tórshavn von 36 auf 32 Stunden.