Norðuroyggjar (Die Nordinseln)

Norðuroyggjar (Die Nordinseln)


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Auf die Nordinseln kommt man zunächst durch einen nagelneueen unterseeischen Straßentunnel, der von Leirvík auf Eysturoy in die mit rund mit 5000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Färöer, nach Klaksvík führt. Das Zentrum der Nordinseln vedankt diese Stellung seiner Lage in einer geschützten Bucht, die hier ganz einfach „Vág“ genannt wird. Im Norden liegt die Insel Kunoy wie ein gewaltiger Klotz und sorgt bei jeder Wetterlage für einen relativ ruhigen Wasserspiegel. An der Öffnung der Bucht liegt der mächtige „Kunoyar suðurtindur“ (Kunoyer Südgipfel), der sich steil aus der Buch bis auf 703 m erhebt. So kann man selbst im Sommer manchmal sein schneebedecktes weißes Haupt bewundern.

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Kunoy ist die durchschnittlich höchste Insel der Färöer und ist eigentlich nur ein 700 - 800 m hoher Bergrücken. Steile Wände und Kare untersteichen den Hochgebirgscharakter. Am Nordende von Kunoy erhebt sich der Kunoyarnakkur, das mit 819 m höchste Kap der Welt. Nur an wenigen Stellen ist das Unterland flach genug, um besiedelbar zu sein. Erst 1986 wurde ein Damm nach Kunoy gebaut, um einer Abwanderung der Bewohner entgegen zu wirken. Zunächst wurde so das Dorfes Haraldssund an das Straßennetz angeschlossen, das Dorf Kunoy lag jedoch weiterhin noch unerreichbar hinter dem 800 m hohen Bergrücken. Aber 2 Jahre später, 1988, wurde auch ein Tunnel in das Dorf Kunoy fertiggestellt. Heute zählt Kunoy wieder 65 Einwohner, viele davon arbeiten in Klaksvík.

Die Nachbarinsel Kalsoy erreicht man mit dem Postschiff von Klaksvík aus. Sie besteht aus einem Höhenzug, der nach Westen steil und unzugänglich zum Meer hin abfällt. Auf der Ostseite gibt es einige Talsenken, in denen sich die Orte Syðradalur, Húsar, Mikladalur und Trøllanes angesiedelt haben.

Die Straßenverbindung ist die einzige Möglichkeit, von Ort zu Ort zu kommen. Allerdings mussten auch hier zwischen Húsar und Mikladalur, dem Hauptort der Inseln, 3 Tunnel und zwischen Mikladalur und Trøllanes ein mit einem Abzweig in ein Seitental versehener Tunnel gebohrt werden. Diese Umgestaltung der Landschaft gab der Insel den Spitznamen „Blockflöte“. Andere Verbindungswege auf der Insel gibt es nicht. Bis 1985 wurden jeder der Orte noch mit dem Postschiff Barskor von Klaksvík aus angefahren, dann waren die Tunnel alle fertig und seitdem verbindet ein Bus die Orte miteinander. Heute wird Syðradalur, der südlichste und jüngste Ort, von einer aus Leirvík kommenden Autofähre angesteuert.

Syðradalur wurde erst im 19. Jahrhundert von den Bewohnern des von einer Lawine zerstörten Dorfes Blankskáli, das an der Südwestküste Kalsoys lag, errichtet. Wie Húsar liegt der Ort in einem grünen Talkessel, der von hohen Begen umgeben ist.
Der Hauptort Mikladalur zählt heute 70 Einwohner. Hier wird noch fleißig in der Landwirtschaft gearbeitet. Im Sommer ist Mikladalur auch ein beliebter Ferienort der Färinger. Mit einer Hand voll Häuser wirkt der kleine Ort Trøllanes eher wie ein großer Bauerhof. Wegen der Lage am offenen Atlantik konnte früher das Postschiff selten anlegen und nur die Linienflüge des Hubschraubers verschonten den abgelegenen Ort vor der völligen Entvölkerung. Der Höhenzug hinter den Dörfern ist bis heute unbezwungen. Viele Versuche, den Grat von Süd nach Nord zu bezwingen, scheiterten. Der Grund ist der an manchen Stellen extrem schmale Grat, wobei zu beiden Seiten die Felswände mehrere 100 m in die Tiefe stürzen.

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Von Klaksvík aus führt eine Straße in Richtung Viðareiði, dem nördlichsten Dorf der Färöer. Dieser Straße folgend wird die Insel Borðoy von 2 Tunneln durchbohrt, die 1967 den nördlichen Teil der Insel an das Straßennetz anband. Am Damm, der die Insel Borðoy mit der Insel Viðoy verbindet, führt von Norðdepil aus eine kleine Straße weit in den Norden Borðoys in Richtung Múli. Als Múli in den 70er Jahren an das Straßennetz angeschlossen wurde, hatte der Ort gerade noch 4 Einwohner. Eine Geschichte erzählt, dass es sogar zu diesem Zeitpunkt in Múli noch eine Schule gab. Nachdem das letzte Kind die Grundschule absolviert hatte, sollte die Schule geschlossen werden. Die Bewohner von Múli beschlossen, dass ein älteres Ehepaar ein Enkelkind aus Klaksvík zu sich holen sollte, um die Schule „zu retten“. Also wurde, wie auf den Färöern üblich, ein Lehrer nach Múli bestellt, der das arme einsame Kind fernab von Eltern und Freunden ganz allein unterrichtete. Auf den Färöern gibt es in jedem noch so kleinen Dorf auch heute noch eine Schule, denn kein Kind soll es schlechter haben, nur weil es in einem kleinen, abgelegenen Dorf wohnt. Heute ist Múli nicht mehr dauerhaft bewohnt.

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Von der Sundbrücke aus startet in Hvannasund, gegenüber von Norðdepil, die Másin zu ihren alltäglichen Touren nach Svínoy und Fulgoy. Das Postschiff verbindet 2- bis 3-mal täglich die beiden abgelegenen Nordinseln, welche das östliche Ende der Färöer markieren. Zunächst wird die Insel Svínoy von dem Postschiff angelaufen. Das Dorf liegt allerdings etwas weiter von Anleger entfernt. Svínoy ist heute die einzige Gemeinde auf den autofreien Inseln der Färöer, die im letzten Jahrzehnt keinen erheblichen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen hatte. Den hatte Svínoy jedoch schon zuvor erlebt. Auf der heute über 60 Einwohner zählenden Insel lebten um 1950 herum noch mehr als doppelt so viele Menschen. Heute betreiben noch 2 Höfe Landwirtschaft im Haupterwerb, die anderen betreiben ihn jedoch meist noch als Nebenerwerb. Sonst gibt es noch hier einen Laden, eine Poststelle und eine Lachszuchtanlage unten am Hafen. Wenn man dieses Dorf besucht, merkt man, dass es kein Altersruhesitz oder ein reiner Ferienwohnort ist, zu denen sich derzeit manche Außenposten der Färöer entwickeln. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist sicherlich, dass das Dorf bei fast jedem Wetter mit dem Postboot oder dem Hubschrauber erreichbar ist. Vom Dorf aus führt ein Wirtschaftsweg in den flachen Nordteil der Insel, wo in dem 140 m hohen moorigen Tal früher Torf gestochen wurde. Dieses wurde zum Eigenverbrauch aber auch zum Verkauf auf die Nachbarinseln gestochen. Vom Ende des Tals, an der Steilküste, kann man auch schon die Nachbarinseln Fugloy mit den beiden Orten Kirkja und Hattarvík sehen.

Das Postschiff hält zunächst in Kirkja und fährt dann weiter nach Hattarvík. Beim erreichen des Fugloyarfjørðurs wird die See meist unruhiger, denn eigentlich ist dies nur eine ungeschützte, nach Osten und Westen zum Atlantik völlig offene Meerenge. So kämpft sich die kleine Másin zum letzten Außenposten der Färöer durch. Hier kann die Másin nur selten richtig anlegen, meist ist die See zu unruhig. Dann muss alles ganz schnell gehen, beim Sprung vom Boot aufs Land.

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Wer mit der Másin noch weiterfährt, der erlebt noch eine Steigerung des Anlegemanövers. Der kleine Anleger von Hattarvík liegt praktisch am Atlantik. Wer schon in Kirkja beim Sprung vom Boot ans Land oder umgekehrt allen Mut sammeln musste, steht jetzt eine Heldentat bevor. Auch die Lebensmittel und andere notwendige Sachen müssen, wenn die Másin gerade von einer Welle in Richtung Kaimauer gedrückt wird, schnell auf den Anleger rüber geworfen werden. Auch die Schafsfelle und die Post werden so vom Anleger auf das Boot geworfen. Auch Fugloy kann man mit dem Hubschrauber erreichen. 3-mal pro Woche fliegt er die Nordinseln an. Auf Fugloy landet er gleich zweimal, einmal in Kirkja und einmal in Hattarvík, obwohl die beiden Orte nur 1.000 m Luftlinie auseinander liegen.

Die Färinger fliegen viel mit dem Hubschrauber, sie brauchen allerdings keine reichen Leute zu sein, um sich das leisten zu können. Der Staat – gemeint sind die Färöer, nicht Dänemark – bezuschusst diese Flüge, denn der Hubschrauber soll mit seinen Flügen nicht maximalen Gewinn erwirtschaften, sondern maximale Versorgung gewährleisten, was ganz der Idee vom Sozialstaat entspricht. Denn niemand auf den Färöern soll es schlechter haben, nur weil er besonders abgelegen wohnt. Sogar die fliegenden Schafe werden per Hubschrauber eingeflogen. So brauchen sie nicht mehr stundenlang über gefährliche Wege entlang von Steilküsten und durch die steilen Berge zu ihrem Stammhof getrieben werden. Heute geht das, hauptsächlich in entlegenen Gebieten, mit dem Hubschrauber.

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Zurück in Hvannasund führt die Straße entlang der Küste weiter nach Norden und erreicht Viðareiði, die nördlichste Siedlung der Färöer. Viðareiði liegt im Norden der Insel Viðoy in einer flachen Landenge, wo auf beiden Seiten die Berge bis auf über 700 m aufsteigen. Hier leben die 250 Einwohner noch zu einem großen Teil von der Landwirtschaft. Die günstige Lage erlaubt sogar die Rinderhaltung.
Von Viðareiði kann man auf der einen Seite die beiden Inseln Svínoy und Fugloy sehen, auf der anderen Seite stehen hinter der Kirche und dem Pfarrhof die Kapberge Múlin (535 m, Borðoy) und Kunoyarnakkur (819 m, Kunoy). Weiter nördlich von Viðareiði erhebt sich der Villingadalsfjall mit 844 m. Etwas weiter enden die Berge abrupt beim Enniberg, wo sie als Kap aus 754 m steil ins Meer abfallen. An dieser Stelle ist auch der nördlichste Punkt der Färöer erreicht.